Viagra aus der Schnabeltasse, Insulin gibt’s an der Bar „Früh-Reif“ im Statt-Theater:
Angelika Beier erklärt uns die Frauen in den besten Jahren

Den glucksenden Damen im Publikum ist die Problemlage mittlerer Beziehungsjahre anscheinend eh gelebter Alltag: „Früher waren die Männer noch scharf; heute sind sie froh, wenn sie einen Parkplatz finden!, weiß Beiers Alter Ego „Fanny“ und klärt auf übers Glück der späteren Jahre: „Na also, geht doch!“ gilt nun als Höhepunkt ehelicher Beischlaf-Freuden. Deutlich wird: Der Übergang ist fließend von den High Heels zum Faltenwurf – im Gesicht und an den Hüften, versteht sich. Und da muss Frau „Fanny“ dann schon energisch gegensteuern, „wenn sich der Körper mit der Schwerkraft einlässt“.
Blitzschnell dann die Verwandlung von „Fanny“ zur „Else“, der quietschfidelen Kreuzfahrt-Rentnerin. Unter grauem Haar-Mopp kichert sie uns ihre Rechnung vor: „180 Euro täglich für den Platz im Rollstuhl, 130 für die Liege auf dem Sonnendeck.“ Da fällt die Entscheidung nicht schwer. Wie die Alternative aussieht, trällert und tanzbeint „Else“ auch gleich ins Gemüt, der Fuchsschwanz unterm Kinn wippt begeistert: „Viagra aus der Schnabeltasse / Insulin gibt’s an der Bar / Orgien in Seniorenstiften / Opa ist der graue Star“.
Ihre Bühnenpräsenz ist deshalb so ausgeprägt, weil sich die Dame in all ihren Rollen nicht ernst nimmt und so das Schwere am Lebendigsein ganz leicht erscheinen lässt. Dem „Abenteuer Frau“ sind jedenfalls noch einige Fortsetzungen zu wünschen.
MZ, Regensburg, 27.10.2009

Alt ist stark im Kommen, Angelika Beier in der Kresslesmühle
Selbst wenn man längst in der zweiten Lebenshälfte angelangt ist, muss noch keine Harmonie herrschen zwischen dem Über-Ich, der Instanz für Kontrolle und Ordnung, und dem „Über-Es“, dem inoffiziellen Lehrer der Unsittenkunde und Förderer der Alkohol- und Tabak-Industrie.
Dass das Altern keineswegs besorgniserregend zu sein hat, kam bei Angelika Beier deutlich zur Sprache. Temperamentvoll und charmant präsentierte die Münchner Kabarettistin ihr Programm und unterhielt das Publikum mit Sketchen und Liedern. Amüsant waren ihre Inszenierungen von Alltagssituationen und das Thematisieren von Tabuthemen. Beier zeigte, dass man dirkekt sein kann, ohne niveaulos zu werden und Anstoß zu erregen.

AN, Augsburg, 12.01.2009

Früh-Reif“: Bitterböse Ironie
Die Kabarettistin Angelika Beier begeisterte mit ihrem Programm „Früh-Reif“ oder „Das Abenteuer Frau“
Keine Geringere als Angelika Beier aus München, 2002 mit dem Kabarettpreis der Stadt München ausgezeichnet, bestätigte mit einer überaus eindrucks-
vollen Darbietung ihr Können als Spitzenkünstlerin in ihrem Genre. „Früh-Reif“ oder „Das Abenteuer Frau“ lautete ihr erstes Soloprogramm, das die Künstlerin in diversen Szenen meisterhaft mit gezielten Pointen als bunten Faden abspulte. Mit satirischem Witz, der die Lachmuskeln strapazierte, und bitterböser Freundlichkeit nahm sie sich als Fanny in allen Lebenslagen gehörig auf die Schippe.
OVB, Bad Feilnbach, 29.10.2008