Ihr Umgang mit Tabuthemen ist direkt, aber weder zotig noch anstößig. Sie spart mit komödiantisch
perfekt gesetztem Mienenspiel zwischen einschmei-chelnder und schriller Stimme nicht mit sarkastischem Humor und nimmt sich selbst nicht so ernst. Ihr Thema ist ja wohl ein vielfach rezitierter Dauer-brenner, aber auf die Verpackung kommt es an. Schon längst vor ihrer Zugabe um ein mit Whisky getränktes Backrezept hat Angelika Beier nicht nur die Frauen auf ihrer Seite.
Man kann davon ausgehen, dass sie nach gelungener‚‚Rauszeit '' wohl auch mit ihrem brandneuen Programm ‚‚Crazy Nights im Edelweiss'' und ihrer Partnerin Karin Zymny bald im Landkreis auftauchen wird. Münchner Merkur, 05.10.2011
Mit Witz und leiser Wehmut „Früh-Reif": Thema des Alterns komisch serviert
Wie sie das durchaus nicht witzige Thema des Alterns überaus komisch serviert, zeugt von Professionalität, ganz nach dem bewährten Theaterwissen: Wenn Ernstes todernst behandelt wird, ist es unerträglich.…
Fanny (Tenor der Umwelt: „Für ihr Alter sieht sie noch ganz gut aus“, ein Satz, der jede Frau ab 50 in Rage treibt!) schlüpft in lilafarbene High Heels und platziert sich in gekonnten Posen auf der roten Bank. Anschaulich schildert sie die verschiedenen „Wiedergutmachungen“ des Schönheitschirurgen und demonstriert die Gesichtsstarre durch Botox. Nicht mal mehr die Stirn konnte sie runzeln beim Ehestreit. Bis zur „Narzismus-Stimulation“ hat Fanny sich hinreißen lassen.
...So wie sie das bringt, nonchalant, nie anzüglich und plump, das ist einfach gekonnt. Sie nennt die Dinge beim Namen, legt den Finger genau dahin, wo es weh tut, erspart sich jegliche Schönmalerei, ist glaubwürdig, doch niemals zotig.
Grad weil so flapsig herüber gebracht, berührt anschließend die Geschichte der Flaschensammlerin Josefin, deren Leben aus der Spur kam, ganz besonders. Heiß her im mehrfachen Sinn des Wortes geht es, wenn Fanny gleich vier Frauen zum Thema Wechseljahre zu Wort kommen lässt. Umwerfend komisch und zum Tränenlachen serviert Fanny alias Angelika Beier am Ende in erotischer Kochschürze iihr besonderes Kuchenrezept. Da ein bis zwei Flaschen Whisky die Hauptbestandteile der Zutaten sind, gerät das Ganze zur umjubelten Schlussnummer. Angelika Beier sieht wirklich gut aus, nicht obwohl, sondern weil sie nicht mehr ganz jung ist. Sie hat mit Geist, Ironie und Können eine reife Leistung gebracht, auch wenn ihr Programm „Früh-Reif“ heißt, aber das hat ja ebenfalls doppelte Bedeutung. OVB, Rosenheim, 20.10.2009
Viagra aus der Schnabeltasse, Insulin gibt’s an der Bar „Früh-Reif“ im Statt-Theater:
Angelika Beier erklärt uns die Frauen in den besten Jahren
Den glucksenden Damen im Publikum ist die Problemlage mittlerer Beziehungsjahre anscheinend eh gelebter Alltag: „Früher waren die Männer noch scharf; heute sind sie froh, wenn sie einen Parkplatz finden!, weiß Beiers Alter Ego „Fanny“ und klärt auf übers Glück der späteren Jahre: „Na also, geht doch!“ gilt nun als Höhepunkt ehelicher Beischlaf-Freuden. Deutlich wird: Der Übergang ist fließend von den High Heels zum Faltenwurf – im Gesicht und an den Hüften, versteht sich. Und da muss Frau „Fanny“ dann schon energisch gegensteuern, „wenn sich der Körper mit der Schwerkraft einlässt“.
Blitzschnell dann die Verwandlung von „Fanny“ zur „Else“, der quietschfidelen Kreuzfahrt-Rentnerin. Unter grauem Haar-Mopp kichert sie uns ihre Rechnung vor: „180 Euro täglich für den Platz im Rollstuhl, 130 für die Liege auf dem Sonnendeck.“ Da fällt die Entscheidung nicht schwer. Wie die Alternative aussieht, trällert und tanzbeint „Else“ auch gleich ins Gemüt, der Fuchsschwanz unterm Kinn wippt begeistert: „Viagra aus der Schnabeltasse / Insulin gibt’s an der Bar / Orgien in Seniorenstiften / Opa ist der graue Star“.
Ihre Bühnenpräsenz ist deshalb so ausgeprägt, weil sich die Dame in all ihren Rollen nicht ernst nimmt und so das Schwere am Lebendigsein ganz leicht erscheinen lässt. Dem „Abenteuer Frau“ sind jedenfalls noch einige Fortsetzungen zu wünschen. MZ, Regensburg, 27.10.2009
Alt ist stark im Kommen, Angelika Beier in der Kresslesmühle
Selbst wenn man längst in der zweiten Lebenshälfte angelangt ist, muss noch keine Harmonie herrschen zwischen dem Über-Ich, der Instanz für Kontrolle und Ordnung, und dem „Über-Es“, dem inoffiziellen Lehrer der Unsittenkunde und Förderer der Alkohol- und Tabak-Industrie.
Dass das Altern keineswegs besorgniserregend zu sein hat, kam bei Angelika Beier deutlich zur Sprache. Temperamentvoll und charmant präsentierte die Münchner Kabarettistin ihr Programm und unterhielt das Publikum mit Sketchen und Liedern. Amüsant waren ihre Inszenierungen von Alltagssituationen und das Thematisieren von Tabuthemen. Beier zeigte, dass man dirkekt sein kann, ohne niveaulos zu werden und Anstoß zu erregen.
AN, Augsburg, 12.01.2009
„Früh-Reif“: Bitterböse Ironie
Die Kabarettistin Angelika Beier begeisterte mit ihrem Programm „Früh-Reif“ oder „Das Abenteuer Frau“
Keine Geringere als Angelika Beier aus München, 2002 mit dem Kabarettpreis der Stadt München ausgezeichnet, bestätigte mit einer überaus eindrucks-
vollen Darbietung ihr Können als Spitzenkünstlerin in ihrem Genre. „Früh-Reif“ oder „Das Abenteuer Frau“ lautete ihr erstes Soloprogramm, das die Künstlerin in diversen Szenen meisterhaft mit gezielten Pointen als bunten Faden abspulte. Mit satirischem Witz, der die Lachmuskeln strapazierte, und bitterböser Freundlichkeit nahm sie sich als Fanny in allen Lebenslagen gehörig auf die Schippe. OVB, Bad Feilnbach, 29.10.2008
BEIER-SOLO FrühReif
Auf der Suche nach dem Glück:
Angelika Beier präsentiert in der Glonner Schrottgalerie ihr Kabarettprogramm “Rauszeit”
Thematisch angelehnt an Liz Gilberts ‚‚Eat, Pray, Love" entfernt sich die Frau von Welt im besten Alter und bisher erfolgreicher Lebensbewältigung von dreckigen Socken, Leberwurstbroten, Beziehungs-krisen und scheint erfolgreich zu sein bei dem Versuch, dem Burnout ein Schnäppchen zu schlagen. Denn sie will endlich ihr wahres Glück finden und dabei auch noch die Welt sehen.
Ihre Requisiten sind knapp, platzsparend, so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Ein korbgefloch-tener Paravent für faszinierend schnellen Rollen- und Garderobenwechsel, eine Bank und ein Weg-weiser reichen aus für ihre Reise zum Ausleben von Phantasien und Emotionen.
Auf der Reise treffen sich viele Frauen, die globetrotternde Fanny, immer unterwegs, aber umgeben von ihren Freunden: die dekadente aber immer noch sehr frauliche Mizzi aus Wien, die als Hippie stehen gebliebene Josefine, die ewig nach Leben hungrige Gisa aus Giesing. Wie gut, dass auch noch die listige Tante Else da ist ‚ die mit zweifelhaften Wetten Geld verdient, und der Fanny die Reisen finanziert, welche der wiederum nur in Akten stöbernde Herr Lechleitner von der AOK nicht als Kur bewilligen will, weil ihm der Sinn nach einem Seminar mit Tantrasex steht. Da landen wir mit Angelika Beier in Dr. Bizarros Lustparadies im ‚‚Schwingerclub'' als auch im Disput der Gisa mit ihrem Willi über Sado-Maso, Im Alkohol geborene Weisheiten („die wahren Abenteuer gibt´s im Kopf“) werden abgelöst von Erfahrungen über viel Toleranz verlangende Kindererziehung. Das Temperaments-spektrum von Angelika Beier ist gut gestreut und authentisch präsent.